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DER KAMPF ZWISCHEN GUT UND BÖSE

Der türkische Islamist Necmettin Erbakan (1926 - 2011) behauptete, dass die Jüdinnen und Juden (in seinen Worten: "Zionisten") vor mehr als 5.000 Jahren einen Plan für eine Weltordnung geschaffen haben, in der sie alles Geld und die gesamte Arbeitskraft kontrollieren. Das Judentum organisierte die Kreuzzüge, und weil die katholische Kirche gegen den Geldverleih war, wurde auf jüdisches Betreiben hin der Protestantismus geschaffen, um durch die Einführung des Kapitalismus alle für sich arbeiten lassen zu können. Auf diese Weise kontrolliert das Judentum die Welt, abgesehen vom Islam, und das ist der Kampf zwischen Gut und Böse, der Kampf zwischen diesem und dem Islam.

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Diese Erzählung kombiniert zwei starke antisemitische Stereotypen: eine jüdische Weltverschwörung (wie in den "Protokollen der Weisen von Zion"), und "der Jude" als Wucherer, der alle anderen ausbeutet. Es stellt ein vermeintliches jüdisches Kollektiv in einen Gegensatz zum (türkischen) Islam, der als das Feld des Widerstands gegen die angeblichen heimtückische Pläne der jüdischen Weltverschwörung gesehen wird. Dies scheint den nationalsozialistischen Verschwörungstheorien sehr nahe zu kommen, nur eben in einem islamistischen Kontext.

Necmettin Erbakan war Begründer der Millî-Görüş-Bewegung, die in der Türkei und in der türkischen Diaspora noch immer aktiv ist und dort Moscheen wie in Berlin-Kreuzberg kontrolliert. Er war Ministerpräsident der Türkei (1996-1997) und der politische Mentor von Präsident Erdogan. Er und seine Ideen sind bei islamistischen Türkinnen und Türken, auch in Deutschland, immer noch beliebt.

In dieser Theorie sind alle Jüdinnen und Juden Exponenten einer bösen Weltverschwörung. Dieses Narrativ rechtfertigt sogar Angriffe auf jüdische Personen. Gesellschaften, die diese Theorien als politisches Programm umsetzen, verfolgen jüdische Menschen, die jüdische Gemeinschaft und jeden, den sie als Teil dieser Verschwörung betrachten.

Die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft wird in die kruden Begriffe einer paranoiden Verschwörungstheorie gepresst. Menschen, die an dieses Narrativ glauben, können nicht Teil eines demokratischen Konsenses sein und sich nicht an sinnvollen Debatten über Menschenrechte, Bürgerrechte und -verantwortung oder Wirtschaftspolitik beteiligen. Eine Gruppe von Menschen (jüdische Menschen) wird hervorgehoben, um gehasst zu werden und für alle Missstände in der Gesellschaft verantwortlich gemacht zu werden. In diesem Rahmen ist auch der israelisch-palästinensische Konflikt nicht auf friedliche Weise lösbar.

Die Kabbala ist keine Person wie das Erbakan behauptet, sondern ist eine Form der jüdischen Mystik, die von einigen Juden (chassidischen Juden) und sogar einigen Nicht-Juden ("Hollywood-Kabbala") praktiziert wird, aber sie ist kein Mainstream und auch kein Plan, die Welt zu kontrollieren. Die Kreuzzüge wurden von der katholischen Kirche ausgerufen, und in ihrem Gefolge kam es zu Angriffen auf Juden im christlichen Europa. Juden kämpften an der Seite von Muslimen im Heiligen Land gegen die Kreuzfahrer. Der Protestantismus in Deutschland wurde von Martin Luther begründet, der ein Antisemit war. Der Kapitalismus hat komplexe Ursprünge und ist nicht jüdisch - es gab und gibt überwiegend nicht-jüdische Kapitalisten.

QUELLEN

Von “Bakterien” und anderen “Zionisten”: Zur Integration des Islamismus Aufgerufem am 19.05.2021 (Artikel “Von “Bakterien” und anderen “Zionisten”: Zur Integration des Islamismus” von Karl Pfeifer über Necmettin Erbakan auf hagalil.com)

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